Paragliding – Österreich vs. Nepal

Paragliding

Österreich

Das Ankommen:
Mit kribbeln im Bauch lief ich die Dorfstraße entlang. Weiter entfernt konnte ich bereits die bunten Schirme im Himmel schweben sehen. Schon als Kind hatte ich es geliebt den Praglidern in den Alpen beim Start zuzusehen und heute sollte ich endlich selbst fliegen. Das Büro bestand aus einer unscheinbaren Holzhütte neben dem Landeplatz, in der ein Surfertyp eine riesige Schüssel Müsli ins sich rein löffelte. Alles wirkte super entspannt und routiniert. Schnell aufgegessen, den großen Rucksack mit dem Schirm auf den Rücken und ab zur Gondel.

Die Vorbereitung:
Der Fluglehrer sah aus wie eine Stilmischung aus Almöhi und kalifornischem Skater. Schnell mit der Gopro ein paar Selfies mit Surfergruß und den Helm über die Wollmütze bei 20 Grad. Der Gurt wurde doppelt überprüft und der Start erklärt. Auf jeden Fall wirkte der Typ als hätte er Ahnung und trotzdem konnte ich meinen Herzschlag spüren, als er mich einklinkte.

Nepal

Das Ankommen:
Nach dreitägiger Trekkingtour durch das Annapurnagebirge bei Pokhara, liefen wir morgens zu einer grünen Wiese mit wunderschönem Blick über die Stadt und den Fewa-See. Da ich ja bereits vor einigen Wochen in Österreich geflogen war, hielt sich meine Aufregung in Grenzen und ich konnte die Vorfreude voll und ganz genießen. Während wir auf die Fluglehrer warteten öffneten sich sogar die Wolken und ein paar Ziegen leisteten uns Gesellschaft.

Die Vorbereitung:
Nach einer dreiviertel Stunde wurde ich ungeduldig. Bis jetzt war immer noch niemand außer einem mürrischen Huhn aufgetaucht. Nach einer kurzen Diskussion ließ sich unser nepalesischer Guide dazu überreden doch mal im Büro anzurufen. Er konnte den Stress sichtlich nicht verstehen. Alles in Ruhe. Willkommen in Nepal…


Paragliding Stubaital

Österreich
Der Flug:
Auf einmal hatte ich keinen Boden mehr unter meinen Füßen und der Fahrtwind schlug mir ins Gesicht. Die Bäume wurden immer kleiner und ich konnte nicht aufhören laut zu lachen. Oh Gott machte das Spaß. Hipster-Almöhi war sichtlich verwirrt von meinem Freudenfall, doch beschloss dann einfach ein paar mehr Fotos zu machen. Wir überquerten das Tal, während er mir die Thermik erklärte. Grinsend wie ein Honigkuchenpferd sah ich auf die Miniaturwelt hinab und fühlte mich einfach nur unglaublich frei.

Die Landung:
Sehr sanft und sicher kamen wir am Boden auf. Ich war so voller Glücksgefühle, dass der bärtige Mützenträger sich von mir umarmen lassen musste. Er sah das glaube ich eher entspannt…














Nepal
Die Vorbereitung 2.0:
Über eine Stunde später sahen wir die Autos kommen und sofort brach Aufregung aus. Die anderen aus meiner Gruppe hatten die Wartezeit natürlich genutzt, um sich komplett in ihre Nervosität reinzusteigern. Die Rucksäcke wurden ausgepackt, bunte Schirme auf der Wiese ausgebreitet und kurze Formulare unterschrieben. Neben uns stand eine Gruppe Männer, die wie indische Touristen aussahen. Mit solchen Männern hatte ich in Nepal bis jetzt immer eher schlechte Erfahrungen gemacht und auch diese wirkten wie im Partyurlaub.
Ich beschäftigte mich damit Mut zuzusprechen, bis unser Guide freudestrahlend verkündete mit wem wir fliegen würden. Er zeigte auf… die indischen Touristen? Da wurde mir mein Irrtum bewusst. Die Männer, die ich für Fluglehrer gehalten hatte waren lediglich die Träger gewesen, während die wahren Guides entspannt ihr Leben genossen hatten.
Wer von euch hat denn am wenigsten Angst?” Der indische Tourist aka. nepalesische Fluglehrer grinste uns kokett an. Die Antwort war schnell klar, also folgte ich ihm zu dem Schirm, der am weitesten an der Kante lag. Das konnte ja was werden… und woher kam jetzt eigentlich die Discomusik? Da bemerkte ich, dass der Kerl doch tatsächlich Boxen in seinem Flugrucksack installiert hatte aus denen nun Pitbull auf mich einsang. Kurz die Augen schließen und ganz tief einatmen. Das machen am Tag so viele Menschen. Bestimmt ist er trotzdem total vertrauenswürdig.
Beim Gurtanlegen wieder dieses kokette Lächeln:”Also gleich wenn die Luft in den Schirm geht überprüfe ich noch mal innerhalb von ein paar Sekunden, ob alles sicher ist. Wenn ja starten wir. Wenn nein, dann ja… dann gucken wir mal dass wir irgendwie nicht starten. Los gehts” Er bevorzugte anscheinend einen schwarzen Cowboyhut gegenüber dem Helm, aber jeder wie er mag. Ich konnte meinen Herzschlag spüren, als er mich einklinkte.

Paragliding Pokhara




































Nepal
Der Flug:
Es begann mit einer haarscharfen Kurve über die Baumwipfel und anschließenden Korkenzieher Schrauben. Im Gegenteil zu meinem letzten Flug war nicht ich die ,die lachte, sondern mein neuer Kumpel. “Put your hands up in the air! Put your hands up in the air!” Jetzt sang er auch noch lautstark mit und ich betete nur, dass er nicht wirklich seine hands up in the air putten würde. Nach wenigen Minuten befanden wir uns aufgrund der Thermik knapp unter den Wolken. Der Blick war wunderschön. “Wie wärs wenn du mal fliegst?” Damit riss er mich aus meinem kurzen friedlichen Moment. “Nein ich glaube das ist keine gute Idee.” “Doch dooooch! Guck hab schon losgelassen. hahaha” Normalerweise bin ich ein eher ruhiger Mensch, doch in dem Moment fing ich an den Kerl anzuschreien, wie eine Verrückte. Er fand das sehr unterhaltsam, griff aber trotzdem wieder nach den Steuerschlaufen.

Die Landung:
Der Landeplatz befand sich auf einer kleinen Halbinsel im See und ich ahnte bereits böses, als der Partypilot verkündete eine tolle Idee zu haben. Wie cool es wohl wäre wenn ich erst einmal mit den Füßen den See berühren würde, bevor wir wirklich landen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber mittlerweile hatte ich verstanden, dass das hier niemanden interessierte. So endete dieser entspannte Samstagmorgenflug indem im Sturzflug auf das Wasser zustürzten und ich wie am Spieß schrie. Einen halben Meter vor dem See zog er wieder hoch und wir landeten auf der Halbinsel. Diesmal war der Fluglehrer der, der mich in den Arm nahm und mittlerweile muss ich zugeben, dass es trotzdem sehr viel Spaß gemacht hat…

Paragliding Pokhara
Paragliding Stubaital

(1) Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Heyho, ich wette von oben sieht nochmal alles viel schöner aus, als die Landschaften es so schon tun. Bei deinem Text zu Nepal konnte ich mir ein Grinsen leider nicht verkneifen, hehe. Super geschrieben, mal wieder!
    Wielange ist man eigentlich in der Luft, wenn man das macht und wo hat es dir am Ende dann am besten gefallen ?

    Liebe Grüße
    Kalle

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