Weitwanderung auf dem Alpe-Adria-Trail Teil 4

Weitwanderung auf dem Alpe-Adria-Trail Teil 4

Teil 4 – Von Österreich nach Slowenien

Ossiacher See – Ossiach

Am nächsten Morgen ist es immer noch bewölkt, aber meine Kleider sind zum Glück wieder trocken. Ich packe und laufe los. Zuerst auf dem Radweg am See entlang. Wohin ich heute laufen will, weiß ich noch nicht. Eigentlich gäbe es nach 10 km eine Unterkunft, aber nach einem kurzen Telefonat wird klar: Dort ist alles belegt. Bis Velden am See ist es mir heute zu weit. Also laufe ich ziellos weiter. Nach ein paar Metern spricht mich ein Spaziergänger an, was ich mit meinem Rucksack mache. Ich erzähle ihm kurz von meiner Wanderung und er fragt mich, ob er ein paar Meter mitlaufen kann. Thorsten ist selbst viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, wir unterhalten uns beim Laufen. Nach 30 Minuten verabschiedet er sich wieder und läuft zurück.

Für mich geht meine Wanderung weiter durch das Bleistätter Moor. Es ist noch früher Mittag, aber es ist schon wieder drückend heiß und ich bekomme Hunger. Zum Glück gibt es beim Kloster Ossiach eine Pizzeria. Während ich auf mein Essen warte, überlege ich, wohin ich heute noch wandern möchte. Und da merke ich, dass ich eigentlich gar keine Lust mehr habe zu Fuß zu gehen, sondern lieber baden will. Zum Glück habe ich keinen Zeitdruck um in Italien anzukommen. Die Wanderung soll ja auch Urlaub sein. Also schnappe ich mir meine Wanderstöcke und laufe zum nächsten Campingplatz (von denen es hier einige gibt). Ich bekomme eine ganze Parzelle für mich allein und falle mit meinem kleinen Zelt zwischen all den Wohnmobilen auf wie ein bunter Hund. Den Nachmittag verbringe ich wie ein richtiger Touris; schwimme im See, esse Eis und liege in der Sonne.

Teil 3 meiner Weitwanderung auf dem AlpeAdriaTrail

Der Alpe-Adria-Trail (AAT) ist eine 700 Kilometer lange Weitwanderung – Vom Gletscher in Österreich bis ans Meer nach Italien.
In 37 Etappen führt der Weg von der Franz-Josef-Höhe am Großglockner (Österreich) bis in die Nähe von Triest (Italien).  Durch die beeindruckenden Berge Kärntens, entlang der glasklaren Soča in Slowenien, bis an die azurblaue Adria bietet der Fernwanderweg ein unvergessliches Wandererlebnis.

Ossiach – Velden am Wörthersee

Der Campingplatz hat nicht nur große Parzellen und super moderne Sanitäranlagen, sondern auch einen Bäckerservice. Den nutzte ich gleich am nächsten Morgen, bevor es weitergeht. Zuerst wandere ich bergauf und dann ganz entspannt auf der Höhe weiter. Der Weg ist leicht zu gehen, Waldstücke wechseln sich mit Asphaltstraßen ab. Ich merke, dass die großen Berge nun hinter mir liegen und alles eher hügelig wird. Dafür wartet unterwegs der nächste See auf mich. Es ist wieder richtig heiß und ich freue mich auf eine Abkühlung. Also Wanderschuhe aus und Badesachen an. Ich verbringe noch einige Zeit am Wasser, bevor es auf die letzten Kilometer meiner heutigen Wanderung geht. In Velden gibt es leider keinen Campingplatz, deshalb habe ich schon gestern eine Unterkunft gebucht.

Velden am Wörthersee – Faak am See

Als ich am nächsten Morgen weiterwandere, komme ich durch Velden. Ich bin froh, dass meine Unterkunft etwas außerhalb der Stadt liegt. Von Gucci bis Louis Vuitton gibt es hier alles. Neben Designerläden, zum Glück auch ein Gartencenter, in dem ich endlich eine passende Gaskartusche finde. Weiter geht es durch ein Waldstück, viele Radfahrer kommen mir entgegen und ich werde oft gefragt, wohin ich wandere.

Heute ist es leicht bewölkt und etwas kühler. Höhenmeter gibt es nicht wirklich und meine Beine sind mittlerweile auch fit. Ich komme zügig voran und erblicke bald den Faaker See. Nach einem kurzen Besuch im Supermarkt mache ich Mittagspause. Danach geht es noch einmal in einer Schleife um den See bis zum Campingplatz Poglitsch.

Faak am See – Latschach

Der nächste Morgen beginnt mit Regen und einem leichten Frösteln. Ein Blick auf den Wetterbericht zeigt mir, dass es den ganzen Tag schlecht bleiben wird. Zudem streikt das Ladekabel meines Handys. Ich liege im Zelt und höre dem Regen zu. Irgendwann raffe ich mich auf und packe. Meinem Handy geht langsam der Akku aus und ich suche nach einer Möglichkeit, ein neues Ladekabel zu kaufen. Leider gibt es rund um den Faaker See nichts Brauchbares. Ich frage die Einheimischen, auch sie meinen, die einzige Möglichkeit wäre nach Villach zu fahren. Also nehme ich den nächsten Zug und laufe zum Einkaufszentrum. Das passende Ladekabel ist schnell gefunden, aber die Menschenmassen überfordern mich. Ich bin froh, wieder aus der Stadt raus zu sein. Mit dem Zug geht es zurück nach Latschach.

Es ist schon früher Nachmittag, eigentlich wollte ich heute noch über den Pass nach Slowenien wandern. Aber dafür ist es jetzt zu spät. Meine Erkältung meldet sich auch wieder und es beginnt zu regnen. Etwas genervt buche ich spontan eine Unterkunft. Und laufe noch 4 km (mehr geht heute nicht). Die Vermieterin empfängt mich herzlich. Ich bekomme ein rießiges Appartment für mich allein und ruhe mich erst einmal aus. Draußen regnet es in Strömen. Meine liebe Gastgeberin macht mir am nächsten Tag extra früh Frühstück und ich darf mir noch etwas einpacken. So gestärkt geht es heute endlich über die Grenze nach Slowenien!

Latschach – Kranjska Gora

Schon vor der Wanderung habe ich mir Gedanken gemacht, wie weit ich wohl kommen werde und in meinem Kopf war immer der Gedanke: „Wenn du es bis Slowenien schaffst, dann schaffst du auch den Rest“. Aber zuerst geht es steil bergauf. Im Vergleich zu den Wegen am Anfang der Reise ist hier einiges los. Familien, Trailrunner und andere Wanderer kommen mir entgegen. Meine Erkältung macht mir zu schaffen und ich komme nur langsam voran. Als ich endlich auf dem Gipfel stehe, bin ich einfach nur erleichtert und glücklich. Die Aussicht ist wieder einmal gigantisch. Ich weiß nicht, ob es an der Höhe oder an meiner Erkältung liegt, jedenfalls wird mir trotz Sonnenschein ziemlich schnell kalt und ich mache mich an den Abstieg. Eine richtige Grenzmarkierung zu Slowenien habe ich nicht gesehen, aber allein an der Art, wie die Markierungen angebracht sind, kann man den Unterschied erkennen.

Nach dem Abstieg komme ich in ein kleines Dorf. Es fängt an zu regnen und ich ziehe den Regenponcho an. Weiter geht es talabwärts. Die kleinen Waldpfade sind jetzt total matschig und dementsprechend dreckig sind meine Beine. Irgendwann kommt Kranjska Gora in Sicht. Für eine Stadtbesichtigung habe ich keine Kraft mehr, also laufe ich direkt zum Campingplatz. Der liegt abseits im Wald. Die Besitzer wohnen in einer Art TinyHouse und vermieten davor eine Wiese zum Zelten. Die Dusche und das WC haben nur eine Holzverkleidung und überhaupt ist alles sehr einfach gehalten. Ich fühle mich aber von Anfang an wohl und bin froh, dass ich eine kurze Regenpause nutzen kann, um mein Zelt aufzubauen.

Bus: Kranjska Gora – Bovec

Der nächste Morgen beginnt wieder mit Dauerregen und einer heftigen Erkältung. So kann ich definitiv nicht wandern. Völlig übermüdet packe ich meine Sachen zusammen und laufe zum Busbahnhof. Hier in Kranjska Gora gibt es so kurzfristig keine günstige Unterkunft. In Bovec habe ich aber etwas gefunden und gleich für drei Nächte gebucht, um mich auszuruhen. Im Soca-Tal habe ich vor einigen Jahren mit einer Freundin Urlaub gemacht. Deshalb kenne ich den Ort ein bisschen. Ich bin froh, dass ich nach der Busfahrt direkt in den Supermarkt gehen kann und dann gleich weiter zur Unterkunft laufe. Nach einer kurzen Dusche gehe ich direkt ins Bett und bleibe dort bis zum nächsten Morgen.

Trenta – Bovec

Als ich aufwache, fühle ich mich viel fitter. Die Sonne scheint und ich gehe durch das Dorf. Während ich so dahinschlendere, merke ich, dass ich große Lust auf eine Wanderung habe. Kurz überlege ich, ob ich nicht lieber eine Pause einlegen sollte, aber das Wetter ist einfach zu schön. Also laufe ich schnell zur Unterkunft zurück und packe für eine Tagestour. Mit dem Bus fahre ich nach Trenta. Von dort wandere ich wieder flussabwärts Richtung Bovec. Ich nehme mir vor, es langsam anzugehen und wirklich nur so weit wie möglich zu laufen. Unterwegs kann ich immer wieder in den Bus einsteigen und zurückfahren, wenn ich nicht mehr kann. Vor ein paar Jahren bin ich diese Strecke schon einmal im Urlaub gelaufen, und trotzdem ist das kristallblaue Wasser wieder beeindruckend. Im Gegensatz zu den Etappen in Österreich ist hier natürlich viel mehr los, aber landschaftlich ist es trotzdem sehr schön.

Ich schaffe heute die ganze Etappe, bin aber froh am Abend im Bett zu liegen und kein Zelt aufbauen zu müssen. Morgen werde ich aber auf jeden Fall einen Ruhetag einlegen, um danach wieder voll auf meiner Wanderung durchstarten zu können.

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