Liebes Reisetagebuch // Nepal

Smiling nepalese boy

19.8.15 – 11:25 am – Nagi Gumba Kloster
Das Papier fühlt sich feucht an. So wie alles. Der Regen tropft auf die Fensterbank und die Gebetsfahnen wehen im Wind. Wären die Wolken nicht da, hätte ich einen atemberaubenden Ausblick über Kathmandu. Es ist nicht nur am anderen Ende der Welt, sondern fühlt sich an wie ein fernes Universum. Ein nasses, dreckiges Universum in dem die Menschen anscheinend nie ihr Lachen vergessen. Ein Universum voller fremder Gerüche, die an meinen schweren Haaren hängen bleiben. Denn warmes Wasser gibt es nur bei Sonnenschein. Das Mittel gegen alles ist süßer Gewürztee mit Keksen. Der sorgt sogar bei Zivilisationsheimweh für Wärme und Essen bei Kerzenschein ist sowieso gemütlicher als mit Strom.
Gestern haben wir zum ersten Mal unseren Guru für die folgende Woche getroffen. Wie eine Statue saß der dünne Mann mit langem Bart in dem Meditationszimmer und begrüßte uns nicht. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der mir so weit Entfernt von der Welt erschien. Eine spirituelle Wolke, die zwar im Kerzenschein einen mysteriösen Schatten wirft, aber sonst kaum zu fassen ist. Beim Meditieren bekomme ich Rückenschmerzen und denke darüber nach, was es wohl zum Abendessen gibt. Aber laut dem Meister der Stille ist Buddhismus nicht mehr als Übung. Es gibt also noch Hoffnung.

20.8.15 – 10 pm – Nagi Gumba Kloster
21, 22, 23… Der Himmel scheint zusammenzubrechen. Die Blitze erhellen für wenige Momente das karge Zimmer, während der Regen gegen die Scheiben prasselt. 21, 22… wie eine Welle breitet sich der Donner über dem Kloster aus. So laut, dass die Mauern zu vibrieren scheinen und ich nur darauf warte mitgezogen zu werden. Ich kann nicht schlafen. Licht. Zählen. Knall.

27.8.15 – 6:15 am – Dhampus
Kleine Wolkenschleier schmiegen sich ins Tal. Reisfelder ziehen sich wie Höhenlinien den Hang entlang. Es ist wunderschön. In wenigen Tagen geht es zurück ins Flugzeug nach Hause und ich weiß jetzt schon, dass ich Nepal unglaublich vermissen werde. Auch wenn es sehr kitschig klingt, ist es als ob ich ein kleines Stückchen von meinem Herz hier verloren habe. Vielleicht bei den Nonnen, deren Lachen die gesamte Küche erschüttern ließ. Oder irgendwo im Regenwald neben einem der riesigen Wasserfälle, wo die Luft so feucht ist, dass man sie anfassen kann. Oder am Ufer vom Fewa-See in Pokhara in dem kleinen Minimarkt mit der netten Verkäuferin. Vielleicht in einer der unzähligen Tassen Masala-Tees, einer der riesigen Flaschen Everest-Biers oder den unglaublichen Currys. Aber am wahrscheinlichsten ist, dass es sich an die Menschen gehängt hat, die ich hier treffen durfte.
Basu würde sagen: (mit ausdrucksvoller Singsang-Stimme) Smiling with your heart. So blessed. Thanksgiving. Put your hands in Namaste and sloooowly go down to the feet of Buddha. Please Buddha let me be enlightened. Please Buddha let all beings find Nirvana and total joy. You are soooo happy. You are sooo grateful to be in this holy place. Let us finish with an Om-Sound. Inhale! Oooooooooooooooooom… Namaste.

girl with baby monkey
nepalese kids
Sherpa girl
crying

(3) Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wunderschön geschrieben. Man fühlt sich fast als wäre man mit Dir dort.
    Und die Menschen in Nepal habe ich auch als etwas ganz besonderes empfunden…

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  2. Danke für Deinen lieben Kommentar. Gerade heute wünscht man sich es wäre alle Menschen so herzensgut und friedlich wie die, die wir in Nepal kennengelernt haben…

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  3. Hallo Svenja,

    deine poetische Art zu schreiben hat mir total gut gefallen, man kann sich gut hineinversetzen und die Eindrücke auf sich wirken lassen.
    Was die Meditation angeht so kann ich dich sehr gut verstehen. Ich brauchte persönlich seeeehr lange bis mein Asana für mich angenehm war. Heute ist es in etwa so als würde ich in ein warmes Bad steigen, doch das verlangte viel Übung.
    Ich hoffe übrigens du hast keine unliebsame Bekanntschaft mit den Blutegeln gemacht, die du im anderen Post erwähnt hast :D

    Alles Gute,

    Alles Gute,
    Tom vom http://www.reiseblogmagazin.de

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